Elterliche Pietät

Elterliche Pietät

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Elterliche Pietät im Kontext Kindesunterhalt

Viele alleinerziehende Elternteile kennen das Problem: Nach der Trennung oder Scheidung zahlt der unterhaltspflichtige Elternteil kaum oder gar keinen Unterhalt.

Neben den „echten“ Geringverdienern, die durch den viel zu niedrig angesetzten Selbstbehalt absolut an die Grenzen ihrer Leistungsfähigkeit geraten, gibt es viele solvente Unterhaltspflichtige, die absichtlich den Unterhalt prellen, um dem unterhaltsberechtigen Elternteil bewusst das Leben zu erschweren.

Was die unterhaltsberechtigte Familie nicht vermag an finanziellen Mitteln aufzubringen, wird im nötigsten Fall durch Unterhaltsvorschussleistungen des Staates oder finanzielle Unterstützung nach SGB II aufgestockt und/oder ausgeglichen. Zahlen der Bundesagentur für Arbeit (BA) aus dem Jahr 2014 belegen: 510.000 unterhaltsberechtigte Kinder und ihre Familien bekamen Auszahlungen von Hartz IV, weil keine Unterhaltszahlungen des unterhaltspflichtigen Elternteils erfolgten. Das BA gab hierzu selber an: Nur ca. 87.000 Unterhaltspflichtige waren dabei nachweislich nicht leistungsfähig.

Vergessen wir doch allzu oft, dass unser soziales System, mit angeschlossenem Rettungsnetz für „beinahe“ jeden von uns, ein Privileg unseres modernen, bildungs- und wirtschaftsstarken Landes ist. Schauen wir in ärmere Staaten, die keine Sozialsysteme für ihre Bürger bereithalten, so wird uns schnell bewusst, dass betroffene Kinder in diesen Ländern, bei Ausfall eines Elternteils durch Verlust der Arbeit,Tod oder Abwendung, schnell in existenzielle, lebensbedrohliche Situationen geraten.

Unterhalt für das eigene Kind, finanziell oder in Naturalien gewährt, als elterliche Pietät anerkennen

Mit dem Begriff „Pietät“ verbinden wir in erster Linie den Respekt gegenüber Verstorbenen
oder den damit verbundenen Personen oder Einrichtungen, welche dem Erbringen dieses
Respektes dienen.

Aus dem Konfuzianismus kennen wir die kindliche Pietät als eine der „fünf Beziehungen“.
Die Chinesen definieren kindliche Pietät als Liebe der Kinder zu den Eltern, deren wesentlicher Inhalt, bis in die heutige Gegenwart, Fürsorge und Folgsamkeit gegenüber den Eltern kennzeichnet. Die kindliche Pietät umfasst, als Kardinaltugend, die alltägliche Versorgung, die Anwesenheit des Kindes, wirtschaftliche Unterstützung sowie häusliche Krankenpflege oder medizinische Versorgung der Eltern. In der Lehre des Konfuzius wird betont die Pietät als zentrale Kindespflicht behandelt. Während meistens hierbei die unzureichende Tugend der Kinder angemahnt wird, wird die elterliche Liebe und Fürsorge als unproblematisch und selbstverständlich dargestellt.

Warum der Begriff „elterliche Pietät“ statt elterliche Liebe?

Blicken wir zurück in die Antike, so bedeutete der Begriff  „Pietät“ (lateinisch pietas)
Frömmigkeit und Pflichtbewusstsein  und umfasste das pflichtbewusste Benehmen gegenüber Mensch und Gott. Die Pietät als Form des Respektes, der Ehrfurcht, der Demut sowie väterlicher Liebe und Vaterlandsliebe. Die pietätvolle Haltung von Eltern gegenüber ihren Kindern bedarf nicht unbedingt der elterlichen Liebe, jedoch dem Respekt gegenüber dem kindlichen Individuum und dem fundamentalen  Pflichtbewusstsein für die Erfüllung und Einhaltung der Grundrechte des Kindes, welche schlussendlich auch dem Kindeswohl dienen.

elterliche PietätTrennungseltern sind stets dazu angehalten, die Kontaktpflege des eigenen Kindes, im Kontext Eltern-Kind-Bindung ,gegenseitig zu fördern und zu stärken. Seit Jahren wird hierzu verstärkt die Definition des „ Kindeswohl“ diskutiert und wissenschaftlich beleuchtet. Wünschenswert wäre hierbei, wenn Vertreter aus Politik und Wissenschaft sich auch endlich den überarbeitungsbedürftigen Gesetzen und Regelungen zum Thema Kindesunterhalt und dem Problem der Trennungskriminalität verschärft widmen würden.

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One thought on “Elterliche Pietät

  1. Michael Baleanu

    „Eltern und Kinder sind einander Beistand und Rücksicht schuldig.“ §1618 a BGB

    Würden sich Gerichte und Juristen danach richten, hätten wir längst eine bessere Welt. Da aber „Beistand und Rücksicht“, also „Pietät“, von diesen Professionen immer nur ins Monetäre umgewandelt wird, werden die Trennungsfamilien niemals „Beistand und Rücksicht“, also „Pietät“, kennenlernen, sondern nur das, was den Juristen als monetärer Gegenwert für ihre Gebührenrechnung einfällt.

    Daher: Je reicher die Gesellschaft, umso mehr entfernt sie sich von der „Pietät“, also Liebe. In Gesellschaften, in denen die Menschen arm sind, können sie sich auf das Wesentliche konzentrieren: Das Notwendigste zum Überleben und Liebe, viel Liebe, also auch „Pietät“. Oder?

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